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Die Anatomie des Menschen aus der Sicht der Theosophischen Lehre – Welten, Körper und Kräfte Teil 1

Ein kurzer Abriss der Theosophischen Lehre

Die Theosophie in der Tradition von LeadbeaterBesant und Blavatsky erforschte die heiligen Schriften des Ostens und verglich sie mit der spirituellen und okkulten Überlieferung des Westens. Das daraus entstandene Lehrgebäude vereint indische und westliche Begriffe und damit eine Reihe von Termini, die für viele erklärungsbedürftig sind.

Die alten Schriften sind zudem nicht auf Anhieb verständlich, teilweise beinhalten sie fragwürdig übersetzte Passagen, die den ursprünglichen Sinn nicht eindeutig wiedergeben. Außerem fehlt oft der rote Faden, der eine schnelle Einordnung des Gelesenen ermöglicht. Die Theosophie ist jedoch eine praktische Disziplin, die meisten Autoren erlebten tatsächlich, wovon sie schrieben und ermunterten ihre Leser, es ihnen gleichzutun.

Die Theosophie beansprucht, die zeitlosen Wahrheiten zu lehren und versucht ein Erklärungsmodell für Aufbau und Ursprung, Entwicklung und Zielsetzung des kosmischen Geschehens zu liefern. Das “Panorama der Welten und Kräfte” einschließlich der zugehörigen körperlichen Träger ist eines der zentralen Lehrgebiete der Theosophie und zugleich das Kerngebiet des westlichen Okkultismus. Die Lehren stimmen bei beiden Disziplinen nahtlos überein, lediglich einige Begriffe weichen voneinander ab.

Im folgenden wird versucht, die kosmischen Zusammenhänge aus Sicht der Geheimwissenschaft in einfachen Worten wiederzugeben, ohne oberflächlich zu sein, und ohne allzu weit auszuufern. Dabei beginnen wir bei den “irdischen Tatsachen” und bewegen uns konsequent von Stufe zu Stufe aufwärts. Jedem Körper entspricht eine adäquate Wirkungsebene, die auch Welt genannt wird und deren Kräfte ihm kongenial sind.

Die folgenden Ausführungen schildern die Verhältnisse aus Sicht der Theosophie und anderer Geheimwissenschaften.

Das physische Vehikel

Der physische Körper ist das “Instrument”, durch den sich die menschliche Seele in der physischen Welt bewegt, diese wahrnimmt und an ihr teilnimmt. Aber der wahre Mensch befindet sich dahinter. Der “Erdenkörper” wird in der Geheimwissenschaft (Esoterik) als bloßes Werkzeug der Seele begriffen, um im Widerstreit mit der irdischen Materie zu wachsen. In der klassischen Esoterik ist die irdische Welt also nichts anderes als eine Reifungssphäre, die sie eine gewisse Zeit lang als natürliches Umfeld benötigt, um sich zu entwickeln und in steten Herausforderungen zu bewähren.

Wesentlicher Kern des esoterischen Weltbildes ist die Evolutionslehre. Danach muss die mit niederen Wünschen und Begierden behaftete Seele nach und nach ihren grobstofflichen Ballast abwerfen. Diese Evolution(=Entwicklung) vollzieht sich durch Leid und/oder Erkenntnis (Einsicht in die geistigen Wahrheiten/Gesetze). Die irdische Welt ist in der Theosophie die grobmaterielle Ebene zu Beginn des Wideraufstiegs der Seele von ihrem tiefsten Ausgangspunkt. Dieses Denken impliziert, dass die Entwicklung auf einen vordefinierten Punkt gerichtet ist, an dem sie ihre höchste Vollendung finden wird. In gnostischen Lehren wie dem esoterischen Christentum, einer der jüdischen Kabbalanahestehenden uralten mystischen Denkrichtung (moderne Vertreter sind u.a. Karl Weinfurter und Gustav Meyrink), bezieht man die biblischen Worte vom “verlorenen Sohn” auf den Wiedereintritt der Seele in die geistige Urheimat, die Verschmelzung mit der Gottheit als höchstem Ziel (Samadhi).

Der “Sündenfall” oder die “Vertreibung aus dem Paradies” werden in der Geheimwissenschaft als Symbole für den Fall der Seele in die materielle Welt gesehen, von dem sie sich mühsam wieder erheben muss. “Der Baum der Erkenntnis”, dessen Früchte giftig sind, steht für die polare bzw. dualistische Bewusstseinsebene, von der aus die in materielle Hüllen gewandete Seele die (irdische) Welt wahrnimmt. Das polare Denken ist von Leid und Vergänglichkeit geprägt, die Seele muss in “wechselnden Kleidern” (gemeint ist die Abfolge der Wiedergeburten) Geburt und Tod durchwandern, auf Glück folgt Ungemach, auf Reichtum Elend, stets ist sie dem Wechsel von Tag, Nacht, Wachen, Schlafen und der Polarität des Atems als Grundrhytmus des irdischen Lebens ausgesetzt. Nicht umsonst wird die Beherrschung des Atems als Schlüssel zur Beherrschung der niederen Natur begriffen und damit als “Hilfsmittel zur Überwindung der Polarität” (z.B. im Yoga) angesehen.

Weil die Geheimwissenschaft in großen, die einzelnen Erdenleben umspannenden Dimensionen denkt, misst sie dem irdischen Glück, wie sämtliche östliche Philosophien sowie die mystischen Grundströmungen der christlichen, jüdischen und moslemischen Religion auch, keine maßgebliche Bedeutung zu. Daher muss der Mensch zu sich selbst erwachen und sich von seinen irdischen Fesseln lösen, der Gereifte arbeitet mit Hingebung an seiner Vergeistigung. Nach dem Weltbild der Geheimlehren muss die menschliche Seele mehrere Welten durchschreiten, die einander durchdringen, einander (in aufsteigender Richtung) bedingen und lernen, deren Elemente zu beherrschen. Lernen im esoterischen Sinne erfolgt, wie gesagt, immer durch leidvolle Kämpfe, erst später zunehmend durch Erkenntnis und Einsicht.

Die beiden an die irdische Ebene anschließenden Welten sind die eigentlichen Schauplätze der Entwicklung, weil irdisches Geschehen ausschließlich durch sie bedingt und bewirkt wird. Diese Welten sind für den durchschnittlichen, wenig gereiften Erdenmenschen nicht direkt erlebbar, sondern nur über den Umweg der “irdischen Illusion” erfahrbar. Während dieätherische Welt als energetisches Abbild der materiellen erscheint, ist die Astralwelt der eigentliche Sitz der Schicksalskräfte. Sie umfasst alle Regungen von der tiefsten Hölle bis an den Rand himmlischer Gefilde und alles, was sich auf der irdischen Ebene manifestiert, muss zunächst hier vorweggenommen werden. Damit ist sie das eigentliche Machtzentrum der unteren Trinität des Schöpfungsplanes.

Das Primat der geistigen Welt erschließt sich am besten, wenn man über folgenden Sachverhalt nachdenkt: Alles, was der Mensch von der irdischen Welt weiß, erschließen ihm Empfindungen und Sinnesreize – allesamt geistige Regungen – auf ihnen baut seine gesamte Gedanken- und Gefühlswelt auf. Was ist dabei Ursache, was Wirkung? Bewirkt Materie das Denken oder erschafft der Geist die Materie?